Hilko Weerda Medizin

01 Medizinisches Lebenswerk

Hilko
Weerda

Mediziner, Chirurg, Lehrer und Wissenschaftler.

Die Geschichte lesen
Hilko Weerda sitzt in seinem Büro als ärztlicher Direktor in Lübeck.
Abb. 96b Hilko Weerda im Büro des ärztlichen Direktors der Universitäts-HNO-Klinik Lübeck.

Seine medizinische Arbeit verband künstlerische Kreativität mit Respekt für Menschen. Hilko Weerda studierte Human- und Zahnmedizin und arbeitete als HNO-Arzt, Chirurg, Forscher und Lehrer.

1987 wurde er zum ärztlichen Direktor der Universitäts-HNO-Klinik in Lübeck berufen. Sein Wissen gab er in Kursen, Büchern und wissenschaftlichen Arbeiten weiter.

Sein beruflicher Weg verband die Arbeit mit Patienten mit Forschung, Lehre und der Entwicklung chirurgischer Instrumente.

02 Orientierung

Acht Daten.
Ein langer Weg.

Acht Stationen seines medizinischen Werdegangs im Überblick.

  1. Abschlüsse in Medizin und Zahnmedizin
  2. Beginn der HNO-Weiterbildung in Freiburg
  3. Habilitation zur zervikalen Trachea
  4. Prototyp des Spreizlaryngoskops
  5. Berufung nach Lübeck
  6. Internationales Ohrmuschel-Symposium
  7. Buch zur plastisch-rekonstruktiven Chirurgie
  8. Rückkehr nach Freiburg

03 Biografie · Anfang

Von der Kunst
zur Medizin

Bevor die Medizin zum Mittelpunkt wurde, studierte Hilko Weerda 1958/59 an der Kunstakademie Nürnberg Bildhauerei bei Professor Wimmer und Malerei bei Fritz Griebel. Danach begann er in Erlangen und München ein Doppelstudium der Human- und Zahnmedizin — zunächst mit dem Ziel, Kieferchirurg zu werden.

Zwei Dissertationen begleiteten diese Ausbildung. 1967 schloss er beide Studien ab. Der medizinische Weg löste die Kunst nicht ab; beide Tätigkeiten blieben Teil derselben Biografie.

„… Die Verwirklichung als Künstler in meinem geliebten Beruf als Mediziner, Wissenschaftler und Lehrer“

Hilko Weerda

Frühe rekonstruktive Arbeit

In Erlangen arbeitete Hilko Weerda an Gesichtsdefektprothesen und fertigte Ohrmuschelepithesen für Kinder der Universitäts-HNO-Klinik an.

Die damalige Versorgung mit Acrylat-Epithesen hatte Grenzen: Die Ergebnisse waren noch nicht zufriedenstellend.

Freiburg und die Mentoren

Im September 1968 begann er seine HNO-Weiterbildung in Freiburg bei Professor Fritz Zöllner. Ab 1970 arbeitete er unter Professor Chlodwig Beck.

In Freiburg vertiefte er seine klinische und wissenschaftliche Arbeit. 1974 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die Chirurgie der zervikalen Trachea.

Professor Chlodwig Beck mit dem Freiburger Klinikteam im Jahr 1982.
Abb. 169b Professor Chlodwig Beck und das Freiburger Team, 1982. Archivischer Übergang: vom persönlichen Weg zum professionellen Umfeld.

1974 Dokument

Eine akademische Wegmarke, kein Endpunkt.

1974 überreichte Professor Chlodwig Beck Hilko Weerda die Habilitationsurkunde. In Freiburg entwickelte Weerda außerdem eigene Hilfsgeräte und Instrumente für die chirurgische Praxis.

Professor Chlodwig Beck überreicht Hilko Weerda 1974 die Habilitationsurkunde.
Abb. 65 Professor Chlodwig Beck überreicht Hilko Weerda die Habilitationsurkunde, 1974.

04 Instrumente & Entwicklungen

Wenn eine klinische Aufgabe
nach einer Form verlangt.

In Freiburg entwickelte Hilko Weerda Hilfsgeräte und Instrumente für konkrete medizinische Aufgaben. Der erste Beleg dieses Kapitels zeigt den Weg vom Werkstattmodell zur späteren Storz-Version.

Entwicklungsweg dieses Instruments

  1. 01 Klinische Aufgabe
  2. 02 Idee
  3. 03 Prototyp
  4. 04 Praktisches Instrument

01 / Prototyp

1977: ein breiteres Spreizlaryngoskop

Prototyp des Spreizlaryngoskops, 1977 von Hilko Weerda mit Herrn Pedersen entwickelt.
Abb. 172aWerkstattprototyp, 1977.

Für bestimmte endoskopische Eingriffe waren die vorhandenen Laryngoskope zu eng. Gemeinsam mit dem Werkstattleiter Herrn Pedersen entwickelte Hilko Weerda 1977 diesen Prototyp.

02 / Anwendung

Vom Werkstattmodell zur Storz-Version

Spätere, von Storz zur Anwendung entwickelte Version des Weerda-Spreizlaryngoskops.
Abb. 172bSpätere Storz-Version.

Die Instrumentenfirma Storz entwickelte das Modell zur Anwendung weiter. Die beiden Archivbilder machen den Entwicklungsschritt vom einzelnen Werkstattmodell zur späteren Instrumentenserie unmittelbar nachvollziehbar.

Prototyp des Spreizlaryngoskops, 1977 von Hilko Weerda mit Herrn Pedersen entwickelt.
Abb. 172a Werkstattprototyp · 1977
Spätere, von Storz zur Anwendung entwickelte Version des Weerda-Spreizlaryngoskops.
Abb. 172b Spätere Storz-Version

Prototyp

praktisches Instrument

04 Weitere Instrumente & Entwicklungen

Nicht eine Linie.
Mehrere Aufgaben.

Die folgenden Entwicklungen entstanden aus unterschiedlichen klinischen Situationen. Gemeinsam ist ihnen nicht eine einzige Methode, sondern die genaue Reaktion auf ein praktisches Problem.

A

Atemweg · Trachea

Stützen, öffnen,
Zugang schaffen.

Von kleinen Stützringen bis zu Instrumenten für die Tracheotomie: In diesem Abschnitt stehen Material, Zugang und Handhabung nebeneinander — nicht als Produktfamilie, sondern als Antworten auf verschiedene Aufgaben.

Drei gebogene Titan-Stützringe für die Trachea.
Abb. 170b

Titan-Stützringe als spätere, stabilere Ausführung für die Trachea.

Abb. 170c

Technische Dokumentation zur Lage und Anwendung der Trachealspangen.

02 / Material & System

Vom einzelnen Bauteil zum unterstützenden Aufbau.

Experimentelle Silikonschläuche sollten eine einzeitige Rekonstruktion der Trachea unterstützen. Die Bruststütze „Lübeck“ entstand für Endoskopie und aufgehängte Instrumente.

Drei experimentelle Silikonschläuche in unterschiedlichen Größen.
Abb. 171a

Experimentelle Silikonschläuche.

Technische Zeichnung der Bruststütze Lübeck für endoskopische Instrumente.
Abb. 173a

Bruststütze „Lübeck“ als Systemzeichnung.

03 / Instrument & Anwendung

Spreizspekulum

Entwickelt, um das Einführen einer Trachealkanüle bei der Tracheotomie zu erleichtern.

Spreizspekulum für die Tracheotomie.
Abb. 174a

Das Instrument.

Zeichnung zur Anwendung des Spreizspekulums an der Trachea.
Abb. 174b

Die Anwendung als Zeichnung.

04 / Instrument & Anwendung

Tracheotomie-Stanze

Ein spezielles Instrument mit einer eigenen, zeichnerisch dokumentierten Anwendung.

Spezielle Stanze für die Tracheotomie.
Abb. 175a

Tracheotomie-Stanze.

Zeichnung zur Anwendung der Tracheotomie-Stanze.
Abb. 175b

Dokumentierter Anwendungsschritt.

B

Präzision · Detail

Werkzeuge für
den feinen Eingriff.

Dermatome, Pinzette und Schere erscheinen als zusammengehörige Studiengruppe — näher an einer Sammlung präziser Lösungen als an einer Produktübersicht.

C

Instrument · Dokumentation · System

Wenn ein Werkzeug
weitere Arbeit auslöst.

Zwei Beziehungen schließen das technische Kapitel: Ein Divertikuloskop führt zur Dokumentation; ein besonders dünner Tubus verlangt nach einem unterstützenden Beatmungssystem.

Geschichte 01

Divertikuloskop → Dokumentation

Das Weerda-Spreizdivertikuloskop steht hier nicht allein. Eine technische Darstellung und die spätere Publikation mit Nicola Weerda und Conrad Sommer zeigen, wie aus dem Instrument auch vermittelbares Wissen wurde.

Weerda-Spreizdivertikuloskop auf blauem Hintergrund.
Abb. 179a

Spreizdivertikuloskop.

Technische Storz-Darstellung des Weerda-Spreizdivertikuloskops.
Abb. 179b

Technische Darstellung von Storz.

Umschlag der Publikation Die endoskopische Chirurgie des Zenker-Divertikels.
Abb. 180

Hilko Weerda, Conrad Sommer und Nicola Weerda: Publikation zur endoskopischen Divertikelchirurgie.

Geschichte 02

3-mm-Tubus → Respirator

Für freie Sicht bei endoskopischen Eingriffen entstand ein dünner Intubationstubus. Gemeinsam mit Herrn Pedersen wurde dazu ein Respirator entwickelt. Die beiden Bilder lesen sich als zusammengehöriges System.

Drei Millimeter dünner Intubationstubus für die Injektionsbeatmung.
Abb. 181

3-mm-Intubationstubus für die Injektionsbeatmung.

Mit Herrn Pedersen entwickelter Respirator für dünne Intubationstuben.
Abb. 182

Mit Herrn Pedersen entwickelter Respirator.

Aufgabe

Werkzeug

Weitergabe

05 Kurse · Lehre · Netzwerk

Wissen wird
gemeinsame Arbeit.

In Kursen in Lübeck und München sowie beim Symposium von 1997 gab Hilko Weerda operative Erfahrung weiter und förderte den fachlichen Austausch. Zu den eingeladenen internationalen Spezialisten gehörten unter anderem Burt Brent, Satoru Nagata und Françoise Firmin.

Lehre im Alltag

Die Kursarbeit erscheint im Archiv nicht nur als Programm oder Lehrtext. Ein informeller Moment mit Otto Staindl und Ernst Kastenbauer zeigt den kollegialen Raum hinter der fachlichen Weitergabe.

Otto Staindl und Ernst Kastenbauer während eines Kurses in Lübeck.
Abb. 185

Otto Staindl und Ernst Kastenbauer während eines Lübecker Kurses.

06 Bücher & Publikationen

Aus Kursen
werden Bücher.

Manuskripte, Operationszeichnungen und klinische Erfahrung gingen in Kompendien, Fachbücher und Übersetzungen über. Die Auswahl zeigt eine Entwicklung — keine vollständige Bibliothek.

Umschlag des Kompendiums plastisch-rekonstruktiver Eingriffe im Gesichtsbereich.
Abb. 183

Kompendium plastisch-rekonstruktiver Eingriffe im Gesichtsbereich.

Vom Kursmanuskript zum Kompendium

Zeichnen, ordnen, weitergeben.

Aus dem Manuskript seiner Fortbildungskurse entstand ein Kompendium mit Hilko Weerdas eigenen Operationszeichnungen. Die erste Auflage erschien 1984; insgesamt wurden vier Auflagen veröffentlicht.

Umschlag des Fachbuchs Hals-Nasen-Ohrenheilkunde von Hilko Weerda.
Auswahl 01

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.

Umschlag der Publikation Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie im Gesichtsbereich.
Auswahl 02

Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie im Gesichtsbereich.

Deutscher Umschlag des Buchs Chirurgie der Ohrmuschel.
Auswahl 03

Chirurgie der Ohrmuschel.

Englischer Umschlag des Buchs Surgery of the Auricle.
Auswahl 04

Surgery of the Auricle.

Wissenschaftliches Werk

Hilko Weerda veröffentlichte mehr als 300 Veröffentlichungen in seinen Freiburger und Lübecker Jahren.

Die ausgewählten Bücher stehen stellvertretend für dieses wissenschaftliche Werk; sie bilden keine vollständige Bibliografie.

07 Anerkennung & wissenschaftliches Vermächtnis

Was bleibt,
setzt sich fort.

Hilko Weerdas Arbeit als Chirurg, Forscher und Lehrer fand über viele Jahre fachliche Anerkennung. Seine Instrumente, Veröffentlichungen und Fortbildungskurse trugen zur Weitergabe chirurgischen Wissens bei.

Ehrungen & Mitgliedschaften

Jacques-Joseph-Medaille

Hilko Weerda ist Mitbegründer der European Academy of Facial Plastic Surgery, seit 2008 deren Ehrenmitglied und Träger der Jacques-Joseph-Medaille.

Er wurde außerdem Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde und 2018 unter der Präsidentschaft von Professorin Wollenberg Ehrenpräsident.

Bronzefarbene Jacques-Joseph-Medaille mit einem plastisch-chirurgischen Profilmotiv.
Abb. 188

Jacques-Joseph-Medaille.

2002 Epilog

Hilko und Barbara Weerda kehrten nach Freiburg zurück. Nach seiner Rückkehr unterstützte er seine Schwiegertochter Nicola, die ebenfalls den Beruf der HNO-Ärztin erwählte, bei schwierigen Ohrmuschelrekonstruktionen — bis etwa zu seinem achtzigsten Lebensjahr.

Nach der Rückkehr nach Freiburg rückte die Kunst wieder stärker in den Alltag: Atelier, Ausstellungen und die Beschäftigung mit der Sammlung. Medizin und Kunst erscheinen nicht als zwei getrennte Biografien, sondern als zwei Formen seiner schöpferischen Arbeit.

Zur Kunst